Klöckners Kehrtwende oder Julias Jubelshow?

Julia Klöckner hat heute die Haltung dieser Wildtiere in Wanderzirkussen untersagt: Giraffen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Primaten und Großbären.

Weitere Wildtierarten können später folgen, sobald wissenschaftliche Belege vorliegen, dass ihre Haltung juristisch sicher verboten werden kann. Insbesondere Großkatzen könnte das demnächst betreffen.

Zudem wurde die Konkretisierung dieser Vorgaben heute verkündet:
– die Unterbringung in geeigneten Haltungseinrichtungen,
– die Versorgung der Tiere durch fachkundige Personen,
– Maßnahmen für die Behandlung kranker oder verletzter Tiere,
– die Beförderung in geeigneten Transportmitteln,
– die Beschränkung der Beförderungsdauer auf das erforderliche Maß
– die Trainingsbedingungen nach Alter, Veranlagung, Leistungsbereitschaft, körperliche Belastbarkeit und Ausbildungsstand.

Julia Klöckner sagte heute dazu: „Wildtiere gehören nicht in die Manege. Gerade in Wanderzirkussen leiden sie unter dem ständigen Reisen, den oft nicht artgerechten Bedingungen vor Ort. Klar ist deshalb: Hier geht der Tierschutz vor! Mit der Verordnung kommen wir einen großen Schritt voran. Verbunden mit dem klaren Ziel, das jetzt vorgelegte Verbot auf andere Wildtierarten auszuweiten. Voraussetzung dafür ist die wissenschaftliche Grundlage – damit ein Verbot auch rechtssicher ist und bei Klage Bestand hat.“

Konkret bedeutet die neue Regelung, dass keine neuen Tiere mehr angeschafft werden dürfen. Das heißt, die bisherigen Tiere werden weiter in den Zirkussen unterwegs sein. Hier hätte ein mutigerer Schritt mit besseren Lösungen gut getan!

Hier ist die neue Verordnung (Referentenentwurf) nachzulesen:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Glaeserne-Gesetze/Referentenentwuerfe/TierSchZirkV.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Das Aktionsbündnis – Tiere gehören nicht zum Circus kritisiert Klöckners Vorhaben deutlich:
Im Grunde genommen handelt es sich um ein „windelweiches“ Verbot, denn z.B. Elefanten dürfen wegen des Artenschutzes bereits seit vielen Jahren nicht mehr „gehandelt“ werden. Bären und Nashörner gibt es zudem nicht mehr in deutschen Zirkussen. Es handelt sich demnach noch um 1 Flusspferd, 2 Giraffen und ca. 35 Elefanten. Letztere sterben in diesem Jahr „wie die Fliegen“, die meisten der noch Lebenden sind in den Winterquartieren der jeweiligen Zirkusunternehmen untergebracht, wo sie sich dennoch für das zahlende Publikum zum Affen machen müssen. Sei es, weil sie auftreten müssen, bzw. geritten oder zu Fotoshootings missbraucht werden. Bei diesem Entwurf muss noch sehr viel nachgebessert werden – dennoch ist er nach all den Jahren des politischen „Nichtstuns“ immerhin ein kleiner Schritt in die einzig richtige Richtung, in die viele unserer europäischen Nachbarn bereits gegangen sind.

Bye Bye Böller! Die dümmste „Tradition“ dieser Zeit muss weg.

In Deutschland haben bereits rund 100 Städte Feuerwerksverbote erlassen. Nun hat die Niederlande ein landesweites Komplettverbot beschlossen! Einen entsprechenden Antrag auf Feuerwerksverbot haben wir nun auch in Bürgerschaft und Kreistag eingebracht.

Es gibt viele Gründe, das Silvesterfeuerwerk zu reduzieren. Am wichtigsten ist der gesundheitliche Aspekt. Und zwar sowohl für menschliche als auch nichtmenschliche Gesundheit. Jedes Jahr gibt es unzählige Verletzte, die durch Explosionsstoffe teils schwer verletzt werden und notoperiert werden müssen, bspw. an Augen oder Händen. Aber auch viele andere Verletzungen sind jedes Jahr zu beklagen, bspw. Knalltraumata. Feuerwehren und Ärzte haben rund um Neujahr immer besonders viele Noteinsätze!

Zudem werden stark erhöhte Werte für besonders giftigen Feinstaub gemessen, was ebenfalls gesundheitlich stark bedenklich ist. Gerade im Zusammenhang mit Covid-19 sind die extrem schadstoffhaltigen Inhaltsstoffe von Silvesterfeuerwerk (alles, was der Chemiebaukasten so hergibt, diverse Metalloxide insbesondere auch der Rauch von Schwarzpulver) ein hochaktueller gesundheitlicher Risikofaktor!

Die Tierwelt leidet enorm unter der Silvesterböllerei. Viele Haustiere geraten in Panik; so reißen sich immer wieder Hunde vor Schreck von der Leine und laufen mitunter vor fahrende Autos. Viele andere Haustiere erleiden starken Stress. Etliche Wildtiere verhungern, weil sie tagelang vor den Explosionen flüchten, was ihnen in den Wintermonaten die Kraft zur Nahrungssuche kostet.

Hinzu kommen Umweltschädigungen, die jedes Jahr mehr werden und ganze Stadtteile so stark verschmutzen, dass die Überreste noch monatelang herumliegen. Besonders umweltbelastend sind zudem auch die Überreste, die in Gewässern und Parks liegen.

Sehr oft kommt es durch die Silvesterfeuerwerke zu teils verheerenden Bränden mit Personenschaden und zu Zerstörungen mit starken Sachbeschädigungen. Die Intensität der Explosionsstoffe nimmt jedes Jahr leider zu.

Diese gefährlichen Wirkungen des Silvesterfeuerwerks stellen gravierende Probleme für Gesundheit und Umwelt dar. Zu den an sich bereits sehr hohen privaten Ausgaben für Feuerwerk, die jedes Jahr zig Millionen Euro betragen, kommen die volkswirtschaftlich belastenden Schäden hinzu, was in keinem Verhältnis zu dem sehr kurzfristigen subjektiv empfundenen Nutzen durch die Feiertradition steht.

Es existieren übrigens bereits bundesweite Feuerwerksverbote, etwa in der Nähe von Krankenhäusern, Alten- und Kinderheimen sowie Kirchen sowie im Umkreis von brandempflichen Gebäuden. Diese Teilverbote werden jedoch nicht eingehalten, sind kaum bekannt und werden auch so gut wie gar nicht kontrolliert.

Es wird Zeit, dass endlich mal eine Diskussion in Gang kommt, diese unsägliche „Tradition“, die übrigens in der jetzigen Form noch relativ jung ist, endlich einzudämmen. Ein Ende dieses gefährlichen und unnötigen Unsinns muss her. Die vielen verletzten Kinder und verstörten Tiere werden es danken. Und unzählige Todesopfer lassen sich so vermeiden.

Revolution im Westen

Die Niederlande ist neben Portugal das einzige Land der Welt, in dem eine Tierschutzpartei im nationalen Parlament sitzt. Und nun wurde etwas Revolutionäres beschlossen:

Landwirt:innen, die Tiere halten und dabei umweltschädliche Nährstoffe in besonderem Übermaße ausbringen, können an einem Aussteiger-Programm teilnehmen. Sie erhalten dann Geld, wenn sie ihre Tierhaltung aufgeben. Auf ihren Flächen sollen dann Naturschutzgebiete entstehen oder Landwirtschaft ohne Tierhaltung betrieben werden. Am Anfang soll dieses Programm in der Nähe von bereits bestehenden Naturschutzgebieten zum Tragen kommen. Danach aber wird es schrittweise ausgeweitet und in den kommenden Jahren fast 2 Milliarden Euro fließen, damit die Transformation umgesetzt werden kann. Ein wichtiger Schritt hin zu einer tierleidfreien Landwirtschaft!

Und dass diese Form von Landwirtschaft für ein gesamtes Land möglich ist, zeigen bereits einige bio-vegane Betriebe. Natürlich ist die Entwicklung noch ziemlich am Anfang und es braucht weitere Erprobungen und Erfahrungen. Danke, Niederländer:innen und alle Tierschützer:innen in Organisationen und in der Politik!

Good luck, Mr President!

Die teuerste Wahlkampagne der Geschichte und das Warten auf das Auszählen der Wahlzettel sind nun zu Ende! Joe Biden wird voraussichtlich von den Wahlmännern und -frauen zum neuen Präsidenten bestimmt werden und kann sein Amt im Januar antreten. Hoffentlich kommt nichts dazwischen!

Er löst dann einen Präsidenten ab, der in unfassbar skandalöser Weise für sozialen Unfrieden, Umweltverschmutzung, Hetze, Fake News und wenig Interesse an echtem Tierschutz stand. Trump wollte beispielsweise die Einfuhr von exotischen Jagdtrophäen erlauben und setzte die Standards für den Artenschutz herunter. Sein Sohn war halt leidenschaftlicher Großwildjäger. Der Aufschrei war enorm, so dass er davon Abstand nehmen musste. Klimaschutz interessierte Trump überhaupt nicht. Die Bombenabwürfe in Afghanistan – mit unzähligen zivilen Opfern – nahmen in den letzten Jahren weiter zu. Die Bilanz der letzten vier Jahre ist insgesamt verheerend!

Aber ist Joe Biden wirklich ein Hoffnungsträger? Es wird von ihm viel erwartet und etliche Beschlüsse von Trump müssen nun rückgängig gemacht werden. Letztlich ist Biden kein allzu progressiver Politiker und seine Agenda unterscheidet sich nicht sehr stark vom moderaten Flügel der Republikaner. Umso wichtiger ist daher, dass u.a. die deutsche Regierung und die EU darauf drängen, dass die USA wieder in die internationalen Abkommen einsteigen und sich für Gerechtigkeit, Frieden, Natur-, Arten- und Klimaschutz sowie Tierschutz einsetzen. Vielleicht kann auch Kamala Harris ihren Einfluss auf die US-Politik geltend machen? Ihr Amt der Vizepräsidentin hat zwar leider eher repräsentative und beratende Funktion. Zu hoffen ist aber, dass sie ihre Möglichkeiten dennoch maximal nutzt und die Politik möglichst sozial, ethisch und nachhaltig mitgestaltet.

Hoffentlich hat die neue US-Administration die Kraft, sich gegen Industrie, Lobbyisten und erzkonservative Kräfte durchzusetzen und den festen Willen, Mitgefühl für die Schwachen und Stimmlosen aufzubringen.

Tierqual-Lobby erstmalig in der Minderheit: das Ende der europäischen Stierkampf-Subventionen

Endlich ein Schlag gegen die Stierkampf-Lobby!

Der erfolgreiche Antrag wurde von Francisco Guerreiro, der für die portugiesische Tierschutzpartei ins EU-Parlament gewählt wurde, ausgearbeitet.

Er sieht vor, dass keine EU-Subventionen mehr an Stierzüchter gehen, wenn die Tiere für den Stierkampf eingesetzt werden sollen. Dabei sollen auch Umgehungstatbestände beachtet werden, also indirekte Verkäufe, wenn der Stier letztlich dann doch den Weg in die Arena antreten muss.

Dem Anliegen von Francisco Geurreiro schlossen sich zahlreiche Abgeordnete, insbesondere links der Mitte, an, so dass sich sogar eine deutliche Mehrheit fand! Das war aber nicht immer so, denn noch vor einem Jahr stimmte das Parlament mehrheitlich gegen das Ende der Stierkampf-Subventionen.

Aber 2020 kippte im Rahmen der Agrar-Reform die Stimmmung der Abgeordneten hin zu mehr Tierschutz in diesem Punkt! Ein Grund könnte sein, dass zahlreiche Tierschutz-interessierte Wahlberechtigte ihre Abgeordneten anschrieben und zum Überdenken ihrer Einstellung anregten. Im Namen aller geschundenen Tiere ein riesiges DANKESCHÖN!

2019 hatte ein fleißiger Mitarbeiter der Linksfraktion, der insbesondere für Anja Hazekamp von der niederländischen Tierschutzpartei tätig ist, den Antrag gegen die Stierkampf-Subventionen ausgearbeitet. Eingereicht wurde er letztes Jahr u.a. vom Abgeordneten der deutschen Tierschutzpartei. Leider gab es damals noch keine Mehrheit. Mutmaßlich auch deshalb, weil sich die sozialdemokratische Fraktion von ihren spanischen Mitgliedern beeinflussen ließ, statt selbstständig über Moral und Vernunft zu reflektieren.

Ein Dank an dieser Stelle also an alle Mitarbeiter*innen des Europaparlaments, die sich unermüdlich für Tierschutz, Umweltschutz, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen! Und Dank an die Abgeordneten, die sich im Agrarausschuss und im Umweltausschuss für die Schwachen und Stimmlosen stark machen!

Es bleibt nun zu hoffen, dass dieses Verbot der Stierkampf-Subventionen auch wirklich umgesetzt werden kann. Denn die spanische Stierkampf-Vereinigung droht bereits mit einer gerichtlichen Klage dagegen. Zur Erinnerung: während der Corona-Pandemie forderten sie noch 700 Millionen Euro Entschädigung für entgangene Gewinne. Sie werden sicherlich noch lange dreiste Forderungen stellen.

Und wir werden ganz sicher einen noch viel längeren Atem haben! Bis der Stierkampf komplett verboten ist!

„Veggie-Burger“ bleibt erlaubt, EU-Agrarreform ist gescheitert, Tierausbeuter füllen weiter ihre Kassen

Mit rund 2/3-Mehrheit wurden vorhin die Entwürfe zur „neuen“ EU-Förderpolitik für die nächsten sieben Jahre im Parlament beschlossen. Neu ist daran aber wenig, denn im Wesentlichen bleibt alles wie bisher: Tierqual, Naturzerstörung, Gesundheitsrisiken können leider weiter gehen.

Die Mitgliedsstaaten haben lediglich mehr Gestaltungsspielraum bei den ökologischen Maßnahmen, es gibt eine Kappungsgrenze und Verstöße werden härter bestraft.

Aber höhere Standards für Tierschutz und Umweltschutz? Sind sogar ausdrücklich verboten worden! Und das ist eine absolute Schande.

Die Anträge von Christdemokraten, Nationalisten und Agrarausschuss zum sogenannten „Veggie-Burger“-Verbot wurden aber glücklicherweise abgelehnt. Bezeichnungen wie „schmeckt wie Käse“ werden jedoch ab sofort verboten!

Seit Tagen reden alle über „Veggie-Burger“ und „Kokos-Milch“. Das eine sollte verboten werden, das andere erlaubt bleiben. Damit der Verbraucherschutz gewahrt sei, so die scheinheilig sorgenvolle Begründung der EU-Kommission. Während „Leberkäs“ erlaubt bleibt und „Hafer-Milch“ bereits verboten ist.

Dazu haben alle eine Meinung, denn über Burger und Milch weiß man schließlich Bescheid und die Veggie-Debatte tobt schon seit Jahren.

Eher wenig wird jedoch über die eigentliche Abstimmung kritisch berichtet, bei der es um die künftige EU-Agrarförderung geht. Es scheint beinah, als würde der „Veggie-Burger“ eine sinnlose Scheindiskussion für die Öffentlichkeit sein, damit im Hintergrund die Abermilliarden an die Agrarkonzerne erneut besiegelt werden können.

Kaum jemand empört sich über die gescheiterte Agrarpolitik der EU.

Tierquäler, Klimasünder, Naturzerstörer haben auch die kommenden 7 Jahre ihr festes Einkommen. Völlig egal, ob sie gigantische Gewinne zulasten von Tieren, Umwelt und Gesundheit machen – durchschnittlich die Hälfte der Einkommen in der Landwirtschaft besteht derzeit aus Direktzahlungen.

Die Landwirtschaft ist aber für bis zu 51 % aller Treibhausgase verantwortlich und Tierwohl wird in der Praxis täglich millionenfach missachtet. Von echtem Tierschutz, der jegliche Quälerei verhindern würde, wollen die Gesetzgeber und Behörden erst Recht nichts wissen. Keiner traut sich an den großen Wurf, um all diese Schäden, Risiken und Qualen einzudämmen.

Die wichtigsten „Reform“-Punkte im Einzelnen:

  • 30 % der Flächen-Direktzahlungen sind an ökologische Regeln gekoppelt
  • 30 % aller Fördermittel gehen zu Unterstützung für Ökologie/Biodiversität
  • eine Kappungsgrenze bei den Direktzahlungen: maximal 100.000 Euro (gut!)
  • höhere Standards im Tierschutz auf nationaler Ebene werden verboten (besonders schlecht!)
  • härtere Strafen, wenn man gegen die EU-Anforderungen verstößt
  • 5 % der Flächen dürfen zugunsten der Biodiversität nicht bewirtschaftet werden

Nun liegt es an den Gerichten und nationalen Regierungen, die EU-Vorgaben bestmöglich auszulegen oder gar zu kippen. Wir fordern also auch die deutsche Regierung auf, die nationalen Spielräume für ökologische und ethische Ausgestaltung der EU-Agrarförderungen auszunutzen und eine Korrektur der Vorgaben durchzusetzen.

Kapitalistische Verwertungsketten am Abgrund

Gestern gab es zwei Tagesordnungspunkte zum Tierschutz im niedersächsischen Landtag. In die Medien schaffte es nur einer von beiden, denn: Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) berichtete unter Tränen, dass sich die Schweinezüchter:innen bei ihre melden und Selbstmord in Erwägung ziehen.

„Ich töte meine Schweine und werde mich umbringen“, so zitiert sie die Landwirte in ihrem Bundesland. Das westliche Niedersachsen hat mit Abstand die höchste Dichte an Schweinen und entsprechend existieren Probleme für Böden, Gewässer, Menschen und Tiere. Es ist eine Region, in der die Massentierhaltung und einige monopolartige Strukturen vorherrschen. Nun brach SARS-Cov-2 unter den Beschäftigten dort ansässiger Betriebe aus, die Afrikanische Schweinepest kommt hinzu – es gibt daher Probleme in der gesamten industriellen Kette und Abnehmer für das Fleisch fehlen.

Auf den Umstand angesprochen, dass Regierung und Landwirte nun schon viele Monate Zeit hatten, um vorsorglich die „Bestallung“ runter zu fahren und Hygienekonzepte umzusetzen, kommt von der Regierungsseite aus nur die Anschuldigung, dass man in solch einer existenziellen Lage der Landwirte nicht „zynisch“ sein dürfe. Die CDU gibt für diesen Konter lang anhaltenden Applaus.

Zum Einen ist es richtig, dass ein Schweineleben (ohne Schlachtung würden sie 20 Jahre alt werden!) in der heutigen Agrarindustrie maximal 6 Monate dauert und die Schweinemutter zuvor rund 4 Monate trächtig war. Somit hätte man auch mit aller Voraussicht, zu was die Coronapandemie in der Tierhaltung führen könnte, aktuell noch nicht entsprechende Ergebnisse, führte die CDU aus. Zum Anderen aber ist es auch unverschämt, notwendige Kritik an der Struktur der Landwirtschaft rhetorisch derartig abzubügeln.

Otte-Kinast rief in ihrer emotionalen Rede die Landwirte gestern auf, alles zu unternehmen, damit die Tierbestände reduziert werden. Aber das reicht doch nun wahrlich nicht aus! Es braucht angesichts der Afrikanischen Schweinepest und den massiven Problemen der Massentierhaltung ein sofort umzusetzendes Ausstiegsprogramm und eine grundlegende Agrarstrukturreform.

Psychologische Hilfe ist allen anzubieten, die derzeit ihre Arbeit verlieren und darunter so stark leiden, dass sie nicht mehr wissen, ob und wie sie weiter leben sollen. Die Landwirt:innen, die Verbraucher:innen, die Natur und die Tiere benötigen keine Sonntagsreden und keine unverbindlichen Aufrufe!

Die Agrarindustrie muss von Grund auf neu ausgerichtet werden. Massentierhaltung, unsoziale Arbeitsbedingungen, tierquälerische Zustände, Breitbandantibiotika und multiresistente Keime, Schäden an Grundwasser und Böden, Feinstaub und Klimagase – und nun auch noch die Gefahren zusammenbrechender Märkte durch Seuchen und Pandemien. Wer hier nur warme Worte für die Landwirte hat und zaghafte Aufrufe verlautbart, hat die massiven Problematiken nicht verstanden und geht in einer tatsächlich zynischen Weise mit unserer Zukunft und unseren sonst hoch gehaltenen und angeblich vorhandenen moralischen Werten um.

Der zweite Tagesordnungspunkt in Sachen Tierschutz war übrigens zu den Tiertransporten, bei denen die Tiere Höllenqualen erleiden und geltendes Recht tagtäglich gebrochen wird – von Behörden und der Politik gedeckt. Interessiert aber schon wenige Wochen nach den letzten Investigativ-Reportagen offensichtlich weder Medien noch Konsument:innen…

„Es sind doch nur Tiere – Dänemarks Schande

Vor kurzem hatten Frankreich und Polen ihren Ausstieg aus der Pelzindustrie verkündet. Nun ein herber Rückschlag, wie der Tierschutzbund berichtet:

In Dänemark wurde auf etlichen Pelztierfarmen das neuartige Coronavirus entdeckt, das insbesondere auch für Nerze hochansteckend ist – wie man seit langem weiß. Anstatt in den vergangenen Monaten Pandemieeindämmung auf den Farmen zu betreiben, haben die Behörden und Tierausbeuter offenbar rein gar nichts getan, um die Tiere zu beschützen!

Es gab keinen Plan, die Ausbrüche präventiv zu verhindern, weil man bis zum Schluss noch den letzten Cent Gewinn aus dem Leid der Tiere herauspressen wollte. Und nun der letzte Schritt der Massentötung – ein gigantisches Massaker an rund 1 Million unschuldigen Nerzen!

Natürlich wird bei diesen Tötungsaktionen – wie in jeder Massentierhaltung – nichts schmerz- oder stressfrei ablaufen können. Es wird industriell und kostenminimal vorgegangen, ohne Rücksicht auf das einzelne Individuum.

Die Tierqual wird im schlimmsten Falle bald wieder weitergehen in Dänemark. Denn die mutigen Schritte der polnischen, niederländischen und französischen Regierungen werden leider nicht überall als gut und richtig anerkannt. Die Pelzfarmbetreiber haben bereits Entschädigungen für die zu tötenden Tiere und die somit entgangenen Gewinne versprochen bekommen! Das lässt den Schluss zu, dass die entscheidenden Stellen in der Politik wie so oft mit den Tierquälern gemeinsame Sache machen.

Es bleibt daher nur eines: niemals Pelz kaufen (auch kein Kunstpelz), Aufklärung betreiben, Druck auf die Politiker ausüben, die Machenschaften der Tierqualindustrie immer weiter aufdecken!

Bis alle Käfige leer sind!

Deutschland verschläft den „animal turn“ – Beispiel Wildtierzirkusverbot

Der jahrelange Druck durch Tierschutzaktivisten und die französische Tierschutzpartei führt nun endlich zum Erfolg! Die Ministerin für ökologischen Wandel wird ihrem Namen gerecht und läutet einen Paradigmenwechsel in der Politik ein. Sie will Wildtiere in Zirkussen sowie Großaquarien verbieten und innerhalb der nächsten 5 Jahre auch sämtliche Pelzfarmen Frankreichs schließen!

Es lohnt sich also, beharrlich zu kämpfen, damit die Grausamkeiten an den Tieren beendet werden. Ist einmal die Idee, dass Tiere keine Sachen sind, in der Welt, wird sie nie mehr verschwinden! Wer ehrlich und aufrichtig entdeckt hat, dass man fühlenden Lebewesen kein Leid zufügen darf, muss daraus Konsequenzen ziehen und wird nie mehr in alte Muster zurückfallen können.

Zahlreiche Studien ergaben, dass Tiere in Zirkussen und Delfinarien allzu oft ein trauriges Leben führen. Dass es überhaupt Studien dazu braucht, ist schon ein Skandal eigentlich. Man kann es doch sehen, wenn man genau hinschaut. Und die zahlreichen Veterinäre, die immer und immer wieder die Genehmigungen erteilen, hätten Sturm laufen können, weil sie täglich erleben, was passiert. Aber die Gesetze lassen so vieles zu und die Tierqual-Unterstützer sind einflussreich. So konnte die Kritik immer wieder mundtot gemacht werden, weil es aussichtslos erschien und am Ende ein riesiges Netzwerk aus gegenseitiger Deckung der Vorgänge bestehen blieb. Aber man sieht, auch diese Strategie ist irgendwann am Ende!

Schon etliche Länder, Regionen und Städte haben ein Wildtierzirkus-Verbot erlassen. Ein Land nach dem anderen folgt derzeit. Mit Frankreich ist jetzt ein wichtiger Unterstützer des Anliegens dabei. Wo bleibt Deutschland, wo bleibt die Europäische Union?!

Die internationale politische Tierschutzbewegung wird weiter kämpfen, bis alle Käfige leer sind! Es warten noch so viele Aufgaben, insbesondere in der Landwirtschaft. Wir haben einen langen Atem!

Die Defensive der Jägerschaft – Schießerei ist weder Natur- oder Artenschutz, sondern Teil des Problems

In der Schweiz stimmten heute die Wahlberechtigten über den Entwurf eines neuen Jagdgesetzes ab, das den präventiven Wolfsabschuss einführen sollte. Es wurde mit fast 52 % abgelehnt!

Der Entwurf sah nämlich vor, dass Wölfe abgeschossen werden dürften, auch wenn sie keinerlei Risiko oder Gefahr darstellen. Erst seit 1995 gibt es wieder einige wenige Wölfe im Alpenland. Grund genug für die Jägerschaft, gegen sie vorgehen zu wollen. Damit der beabsichtigte präventive Abschuss ein ökologisches Image erhält, wurde er im Gesetzesentwurf mit sinnvollen Maßnahmen wie Brücken für Wildtiere über Autobahnen verknüpft. Ein leicht zu durchschauendes Manöver. Diese Maßnahmen sollten selbstverständlich auch unabhängig von diesem missratenem Gesetzesentwurf ermöglicht werden!

Die Schweizer sprachen sich heute übrigens in einer anderen Abstimmung auch deutlich für das Zuwanderungsabkommen mit der EU aus und erteilten damit den Nationalisten eine Absage. Und ihre Absage an die Jagdlobby ist ein Votum für den Artenschutz und gegen die unethischen Auswüchse der Jägerei.

Immer mehr Menschen wird deutlich, welche unheilvolle Macht die Jäger:innen aufgebaut haben in den letzten Jahren. Nicht erst die Massentötungen von Wildschweinen und Vögeln haben zu großen Empörungen in der Schweiz und vielen anderen Ländern geführt. Zunehmend werden immer mehr Jagdunfälle ins öffentliche Bewusstsein gerückt und die widersprüchlichen, falschen und unlogischen Aktionen und Behauptungen der Waidmänner und -frauen erfahren breite Kritik. Jäger:innen haben die Deutungshoheit ein Stück weit verloren und können keine nachhaltigen Konzepte mehr anbieten in Sachen Artenschutz und Tiergesundheit oder gar in ethischer Hinsicht.

Diese Defensive der Jägerschaft muss nun eine Chance werden. Der offene und ehrliche Dialog muss beginnen und gemeinsam mit den Wissenschaftler:innen und ethisch orientierten Politiker:innen gilt es, Lösungen im Sinne der Tiere und der Natur zu finden. Unnötige Tierqual, sinnlose Schießerei und testosterongetriebene Traditionen von gestern – das gehört auf den Prüfstand und muss besseren Ansätzen weichen.

Danke, liebe Schweizer für das heutige Abstimmungsergebnis!